Allergie

Eine der häufigsten allergischen Erkrankungen ist der allergische Schnupfen (allergische Rhinitis / mit Bindehautentzündung allergische Rhinokonjunktivitis). Etwa 20 Prozent der Bevölkerung sind betroffen, oft von frühester Kindheit an. Der allergische Schnupfen wird heute als Teil einer systemischen Erkrankung gesehen. Folge- und Begleiterkrankungen sind oft Asthma und/oder Neurodermitis.

Eine unter Mitwirkung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gegründete Initiative, „Allergic Rhinitis and its Impact on Asthma“ (ARIA) – übersetzt: „Allergischer Schnupfen und sein Einfluss auf Asthma“ – hat Richtlinien für Therapie und Management des allergischen Schnupfens erstellt und im Jahr 2001 veröffentlicht.

Der allergische Schnupfen ist eine Überempfindlichkeitsreaktion der Nase, wobei es durch den Kontakt mit Allergenen zu einer Entzündung der Nasenschleimhaut kommt. Hauptsymptome sind Niesen, Juckreiz, klare Sekretion und Verstopfung der Nase (nasale Obstruktion). Oft sind von den Symptomen auch die Augen betroffen.

Allergene sind Stoffe, die Überreaktionen des Immunsystems (Allergien) auslösen können.

  • Inhalations-Allergene z.B. Hausstaub, Tierhaare, Pollen, Sporen von Schimmelpilzen
  • Nahrungsmittel-Allergene z.B. Weizen, Kuhmilch, Fisch, Eier, Fenchel- und Kamillentee sein
  • Kontakt-Allergene werden über die Haut aufgenommen, z.B. über Farben, Modeschmuck, Reinigungsmittel, Latexprodukte, Kosmetika
  • Injektions-Allergene können von Insekten unter die Haut gespritzt werden, vor allem von Bienen und Wespen
  • auch Medikamente können eine allergische Reaktion verursachen

Allergene können Beschwerden wie Schnupfen, Asthma, Augenreizungen, Hautveränderungen (Neurodermitis, Ekzeme), Darmbeschwerden, etc. auslösen. Schlimmstenfalls kann der ganze Organismus von einer allergischen Reaktion bis hin zum Schock betroffen sein (anaphylaktische Reaktion).

Allergietest

Hauttestungen stellen das wesentliche diagnostische Verfahren zum Nachweis IgE-vermittelter Sensibilisierungen dar. Hauttestungen sind nicht ohne Risiko. Anaphylaktische Reaktionen sind möglich. Besondere Vorsicht ist bei Asthmatikern geboten.

Bei IgE-vermittelten Reaktionen lagern sich die IgE-Antikörper mit hoher Bindungskraft an bestimmte Zellen (Mastzellen im Gewebe, basophile Leukozyten im Blut) an, wo sie nach erneutem Kontakt mit dem spezifischen Allergen die Freisetzung hochaktiver Botenstoffe, z.B. Histamin, auslösen. Die Symptome bei allergischen Erkrankungen (Gefäßerweiterung, Schleimhautschwellung, Sekretionssteigerung in den Bronchien und in der Nase, Verengung der Bronchien, Juckreiz, Kreislaufkollaps bis hin zum Schock) beruhen letztlich auf einer durch Botenstoffe hervorgerufenen Entzündung.

Diagnostischer Standard beim allergischen Schnupfen ist der Pricktest. Das ist ein Hauttest, bei dem ein kleiner Tropfen einer Allergenlösung auf die Haut getropft wird. Dann wird die Haut unter dem Tropfen oberflächlich angeritzt, um das Eindringen des Allergens zu ermöglichen. Eine Sensibilisierung zeigt sich nach 20 Minuten als Quaddel mit Rötung. Es können gleichzeitig viele verschiedene Allergene getestet werden.

Behandlung von Allergien

Als beste Behandlungsform allergischer Erkrankungen gilt die Allergenkarenz, die Vermeidung der allergieauslösenden Stoffe. Es gibt eine Fülle von Handlungsempfehlungen, die je nach Allergen von der Anschaffung von neuen Matratzen (bei Hausstaubmilbenallergie) bis zum täglichen Haarewaschen (bei Pollenallergie) reichen.

Da es trotzdem in den meisten Fällen nicht möglich ist, allen Allergenen aus dem Weg zu gehen, gibt es inzwischen zahlreiche Arzneimittel, von denen hier die wichtigsten Gruppen angeführt werden, sowie die Spezifische Immuntherapie (SIT).

Antihistaminika

Antihistaminika sind Arzneimittel erster Wahl – oral und topisch, also durch den Mund oder örtlich in Nase/Augen – zur Therapie von allergischem Schnupfen. Antihistaminika sind mittlerweile in der dritten Generation am Markt: Orale Antihistaminika der 1. Generation, die stark beruhigend wirkten, wurden ab den 80er Jahren durch Antihistaminika der 2. Generation ersetzt. Diese wirkten wenig oder gar nicht beruhigend und wiesen eine höhere Rezeptorspezifität auf. Dazu zählen Loratadin und Cetirizin. Bei Terfenadin und Astemizol zeigten sich kardinale Nebenwirkungen, wie Herzrhythmusstörungen.

Neuere orale Antihistaminika lösten eine Diskussion aus, ob sie als 3. Generation zu bezeichnen sind. Als Kriterien für eine dritte Generation von Antihistaminika wurden international (durch ARIA und EAACI) definiert:

  • spezifischer, potenter H1-Rezeptorantagonismus
  • Wirksamkeit über 24 Stunden, einmalige tägliche Gabe, schneller Wirkeintritt
  • keine Interferenz (Störung) mit Nahrungsaufnahme / anderen Arzneistoffen / intestinalen (den Darm betreffenden) Transportproteinen
  • additive antiallergische Effekte (nachgewiesen am Patienten)
  • Wirkung auf alle Symptome der allergischen Rhinokonjunktivitis, einschließlich der nasalen Obstruktion (Verstopfung der Nase)
  • keine Sedierung (Beruhigung, Dämpfung) oder Beeinträchtigung der psychomotorischen Leistungen
  • keine kardiotoxischen (das Herz schädigenden) Effekte
  • keine anderen Nebenwirkungen wie anticholinerge Effekte, Gewichtszunahme, Leber- und Nierentoxizität

Der „Leitlinie der DGAI zur allergischen Rhinokonjunktivitis“ (Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie, 2003) zufolge werden diese Punkte erfüllt durch Desloratadin sowie überwiegend z.B. durch Levocetirizin und Fexofenadin. Levocetirizin weist eine höhere Sedierungsrate, Fexofenadin eine Interferenz (Störung) mit Transportproteinen bzw. eine verminderte Resorption (Aufnahme) auf.

Örtlich anzuwendende Antihistaminika stehen sowohl für die Anwendung an der Nase als auch am Auge zur Verfügung. Sie wirken innerhalb von 15 Minuten und sind zweimal täglich anzuwenden.

Glukokortikosteroide (GKS)

GKS werden zur Therapie u.a. sowohl bei allergischem Schnupfen als auch bei Asthma bronchiale verwendet. Sie können topisch (örtlich) oder systemisch eingesetzt werden. Heute sind zahlreiche topische Steroide verfügbar: Budesonid, Fluticasonpropionat, u.a.

Durch die lokale Gabe kann bei kontinuierlicher Anwendung eine hohe Schleimhautkonzentration bei minimalem Risiko systemischer Nebenwirkungen erreicht werden. Der „Leitlinie der DGAI zur allergischen Rhinokonjunktivitis“ (2003) zufolge, reduziert der regelmäßige Einsatz von topischen Kortikosteroiden alle nasalen Symptome einschließlich der Verstopfung der Nase stärker als orale Antihistaminika. Er reduziert auch nachhaltig die Konzentration verschiedener Entzündungsmediatoren (einschließlich Histamin) an der Nasenschleimhaut. Orale Antihistaminika wirken besser in der Unterdrückung allergischer Augensymptome.

Cromone

Zur Wirkstoffgruppe der Cromone gehören die Cromoglicinsäure (DNCG) und Nedocromil. Sie sind weniger wirksam bei Allergien als Antihistaminika und örtliche Glukokortikosteroide. Sie werden z.B. in der Schwangerschaft eingesetzt, z.B. als Augentropfen.

Leukotrienrezeptorantagonisten

Leukotriene sind wesentliche Mediatoren der allergischen Entzündung und inbesondere an der Sekretion und der Verstopfung der Nase beteiligt. Die alleinige Therapie mit einem Leukotrienrezeptorantagonisten wirkt gegen allergischen Schnupfen schwächer als eine Therapie nur mit einem nasalen Steroid.

Dekongestiva (Abschwellende Mittel)

Sympathomimetika in Form von Nasentropfen und -sprays wirken an den Gefäßen der Nasenschleimhaut gegen die Verstopfung der Nase und lassen alle anderen Symptome unberührt. Sie sollten nur zehn Tage hintereinander angewendet werden, um im Endeffekt einen durch das Medikament verursachten Schnupfen zu vermeiden.

Spezifische Immuntherapie (SIT)

Auch Desensibilisierung oder Hyposensibilisierung genannt. In zunehmenden zeitlichen Abständen werden steigende Dosen des jeweiligen Allergens unter die Haut gespritzt, um einen Gewöhnungseffekt auszulösen. Alternativ kann das Allergen auch in Tropfenform oral zugeführt werden. SIT ist u.a. geeeignet bei Allergien auf Pollen, Hausstaubmilben und Katzen.

SIT sollte bei allergischem Schnupfen im Krankheitsverlauf möglichst früh eingesetzt werden. SIT reduziert die Gefahr der Entwicklung eines Asthma bronchiale. SIT kann aber auch bei gleichzeitig bestehendem Asthma eingesetzt werden und reduziert die nasalen und bronchialen Symptome. SIT sollte nur von allergologisch erfahrenen Ärzten durchgeführt werden. Notfallbehandlungsmaßnahmen müssen unmittelbar zur Verfügung stehen. Mit einer mindestens dreijähriger Therapiedauer ist zu rechnen.